06 Februar 2007

 

Gesundheits-Check

Wie die Kinderuntersuchungen U1bis Undnochwas in Deutschland gibt es auch hier in Japan regelmäßige Check-ups. Die werden vom städtischen Gesundheitsamt zentral organisiert, so daß zum gleichen Termin dann noch ein paar Dutzend andere gleichaltrige Kinder erscheinen. Einige Wochen vorher bekommt man eine offizielle Einladung für den entsprechenden Tag. Kann man da nicht, muß man Bescheid sagen und kann eventuell zu einem anderen der jeweils dreiTermine pro Altersgruppe (für ganz Kitakami) gehen. Mit der Einladung kommt ein vierseitiger Fragebogen, in dem man Fragen beantworten muß zu den aktuellen Fähigkeiten des Kindes (Kann es mehr als 8 Bauklötze aufeinanderstapeln?, kennt es 5 oder mehr Dinge in seinen Bilderbüchern mit Namen? kann es Sätze bilden? etc. ), zu Eßgewohnheiten (wieviele Schüsseln Reis ißt das Kind am Tag? was sonst? was trinkt es und wieviel?), zur Tagesroutine, zum (noch?) Windelntragen, Zähneputzen, zur Gesundheit, aber auch zur Familiensituation, zur physischen und psychischen Verfassung der Eltern ("Is childcare enjoyable?, Does the father enjoy playing with his child? Is there anybody you can go to for help in times of trouble or distress?" usw usf.). Zum Glück ist ist der Bogen zweisprachig, englisch und japanisch (denn ich kann immer noch nicht japanisch lesen).
Bei der Untersuchung bekamen die Kinder dann in der Reihenfolge des Eintreffens Nummern auf ihre Kleider geklebt (obwohl sie dann doch immer mit Namen aufgerufen wurden, aber sicher ist sicher!). Und da war ich mal wieder baff: Diese Nummern waren von Hand geschrieben UND BEMALT, und zwar noch datumsspezifisch: Anfang Februar wird hier das Setsubun-Fest gefeiert, bei dem Sojabohnen geworfen werden und mit den Worten "Oni wa soto, fuku wa uchi" (Dämonen hinaus, Glück herein!) das Böse aus dem Haus vertrieben wird. Und diese Sojabohnen und der Dämon waren säuberlich von Hand auf diese an sich völlig unwichtigen Klebenummern gezeichnet (wahrscheinlich noch von den Gesundheitsamtsangestellten in ihrer Mittagspause, um den zu untersuchenden Kindern eine Freude zu machen)! Japan überrascht mich doch immer wieder!
Bei der Untersuchung werden die Kinder dann gewogen und gemessen (alle anderen brav, Jakob unter Protest), dann wird der Fragebogen mit einer Angestellten des Gesundheitsamtes ausführlich durchgesprochen, dann gibt es eine zahnärztliche Untersuchung (alle anderen brav, Jakob unter lautem Protest), dann wird nochmal speziell über Zahnpflege gesprochen, dann sollen die Kinder noch vormachen, wie sie 8 Bauklötze aufeinanderstapeln oder 5 Dinge beim Namen nennen sollen (bei Jakob nur entschlossenes Kopfschütteln), dann bekommt man allerhand Broschüren (leider nur auf japanisch; wie spielen, wie zähneputzen, was zu essen geben usw. . Die Dame war sichtlich besorgt, als ihr klar wurde, daß ich diese nicht lesen konnte, und ich mußte versprechen, sie mir von Freunden übersetzen zu lassen). Nach gut anderthalb Stunden konnten wir dann wieder gehen. Bei den früheren Untersuchungen war auch immer noch ein Kinderarzt dabei gewesen, der in knapp 45 Sekunden die körperlichen Fähigkeiten und Konstitution des Kindes überprüfte, aber diesmal nicht mehr.
Ich weiß nicht, was ich besser finde: Die individuellen und wesentlich ausführlicheren Untersuchungen in Deutschland (wo aber keiner kontrolliert, ob die Eltern mit ihren Kindern erscheinen), oder diese streng organisierten, aber etwas oberflächlichen Pflichtuntersuchungen - die aber Kindesmißhandlungen auch nicht verhindern, auch hier in Japan gibt es dauernd fürchterliche Fälle von vernachlässigten, mißhandelten oder verhungerten Kindern.


PS: Da ich heute das Auto nicht hatte, sind wir Taxi gefahren; dabei habe ich gesehen, daß auf der Karte zur Person des Fahrers nicht nur dessen Blutgruppe (0), sondern auch Hobby stand (Sport). Und daß im Taxi zurück (zu einer anderen Firma gehörend) nichts dergleichen zu lesen war. Deshalb nehme ich einfach an, daß diese von manchen Unternehmen verwendete Karte dazu da ist, einen mit dem Fahrer vertraut zu machen (man hat ja dann gleich etwaige Gesprächsthemen) und so vielleicht eine bessere Kundenbindung zu schaffen - und eher nicht, um im Falle eines Unfalles gleich das richtige Blut zur Hand zu haben.
Nicht, daß das irgendwie wichtig wäre, aber man macht sich halt seine Gedanken über alles, was anders ist als man es kennt!

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